Regionalverband Westhessen

Rettungsdienst

Baby-Notarztwagen

Treten während einer Geburt Komplikationen auf, die nicht in der Geburtsklinik behandelt werden können, muss das Baby umgehend in einer Spezialklinik medizinisch weiter versorgt werden. Um den Säugling dann rasch, sicher und optimal versorgt transportieren zu können, gibt es den ASB Baby-Notarztwagen.

Der ASB Baby-NAW : einziges Fahrzeug seiner Art in der Region Westhessen © ASB Wiesbaden

Hintergründe und Aufgaben
Manche Babys benötigen schon während oder nach der Geburt dringend hochspezialisierte ärztliche Hilfe. Die besondere Herausforderung bei der Versorgung von Neugeborenen besteht u.a. darin, dass alle Säuglinge sich erst an ihr neues Leben außerhalb der akustisch und visuell abgeschirmten Welt des Mutterleibs gewöhnen müssen. So sind starke Reize (grelles Licht, Lärm etc.) für Babys vollkommen ungewohnt und bedeuten für sie eine extreme Stressbelastung. Ebenso müssen die für das Baby-Gehirn schädlichen Schwingungen zwingend auf ein Minimum begrenzt werden.

Die Aufgabe unseres ASB Baby-Notarztwagens besteht darin, den Säugling, im Falle einer "Risikogeburt" etwa, von der Geburtsklinik in die Intensivstation der Kinderklinik der Dr. Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden zu bringen. Für den Transport bedarf es dabei einer ganz speziellen medizinisch-technischen Versorgung, die jedoch nur ein Baby-NAW gewährleisten kann. Ein besonders qualifizierter Kinderarzt und eine Fachpflegekraft mit spezieller Ausbildung und Erfahrung in der Versorgung früh- und neugeborener Kinder versorgen und überwachen den Säugling während der Fahrt. So wird die optimale Versorgung des Neugeborenen erreicht und viele Babys haben dadurch die Chance auf eine bestmögliche Zukunft.

Die medizinische Ausstattung
"Herzstück" des Fahrzeugs ist der Intensiv-Transport-Inkubator (= fahrender Brutkasten), der auf einer High-Tech-Trage montiert ist. Der Inkubator gibt Wärme ab und schützt das Baby vor Lärm, Kälte und Stößen. Arzt und Pflegekraft sitzen während der Fahrt vor dem Inkubator und können das Baby so optimal überwachen sowie kleinere Eingriffe vornehmen. Ein Überwachungsmonitor zeigt permanent die Werte des Babys an. Medikamente und Infusionen werden in einem Wärmeschrank und einem Kühlschrank adäquat gelagert. Die Messung der Sauerstoffsättigung erfolgt über das Verfahren der Pulsoxymetrie. An Bord befindet sich außerdem ein Beatmungsgerät, zu dessen Betrieb je 5.000 Liter medizinischer Sauerstoff und Druckluft mitgeführt werden.

Die technische Ausstattung
Daimler Sprinter 316 CDI: Dieser Fahrzeugtyp ist größer als herkömmliche Rettungswagen und erlaubt es dem Personal, an Bord bequem stehen zu können, ohne sich bücken zu müssen

ALKO-Tiefrahmenchassis: Ermöglicht einen niedrigeren Schwerpunkt, wodurch der Inkubator leichter verladen werden kann und die Straßenlage optimiert wird

Luftfederung: Verhindert belastende Fahreinflüsse. Schwingungen durch Bodenunebenheiten sind dadurch sehr gering und Folgeschäden wie "Transport-Traumata" werden weitgehend vermieden

Beleuchtungssystem: Grelles Licht ist für Babys eine große Stressbelastung. Das Licht im Bereich des Inkubators kann unabhängig vom restlichen Licht im Wagen reguliert werden. Während der Versorgung des Babys kann beim Inkubator sanftes Arbeitslicht eingestellt werden

Akustische Warnanlage: Das Martinshorn befindet sich im Kühlergrill und nicht, wie sonst üblich, auf dem Dach. So kann die Lärmbelastung für das Baby so gering wie möglich gehalten werden

Daten und Fakten

  • Einsätze: ca. 200 Einsätze pro Jahr mit einer Fahrleistung von ca. 6.000 km
  • Einsatzgebiete: Wiesbaden, Rheingau-Taunus-Kreis, Landkreis Limburg-Weilburg, Frankfurt, Gießen, Mainz, Diez, Nastätten
  • Standort: Dr. Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden
  • Besatzung: neonatologischer Kinderarzt, Fachpfleger/in, ASB-Rettungsassistent, ASB-Rettungssanitäter
  • regional einziges Fahrzeug seiner Art
  • neueste Fahrzeuggeneration (2010)
  • im Einsatz seit 1980